Talente 2026
Talente 2026
ETH-Sozialstipendien

Biologie, Daten und Gesellschaft zusammenbringen

von Andrea Zeller
11. September 2026
ETH Zürich Foundation, Biologie, Daten und Gesellschaft zusammenbringen
© ETH Foundation / Daniel Winkler

Vom ländlichen Brasilien an die ETH Zürich: Unterstützt von einem Sozialstipendium erforscht Gianluca Ikeda Ferretti, wie Evolution und Gene unsere Gesundheit prägen, und will Brücken zwischen Wissenschaft und Gesellschaft bauen.

«Meine Kindheit habe ich in einem ländlichen Ort nahe São Paulo verbracht, zwischen Tukanen und Affen. Als ich zehn war, zog ich mit meinen Eltern und drei Geschwistern von Brasilien ins Tessin, die Heimat meines Vaters. Nach der Matura in Lugano und dem Zivildienst bei Agroscope schrieb ich mich an der ETH Zürich für den Bachelor in Biologie ein, weil ich eine grosse Affinität für die Naturwissenschaften hege.

Zusammenhänge verstehen

Ich interessiere mich insbesondere für Entwicklungsbiologie und die Frage, wie Evolution Entwicklung und Gesundheit beeinflusst. Für meine Master-Arbeit im ETH-Studiengang Molecular Mechanisms of Disease forsche ich im Bereich der evolutionären Medizin. Im Zentrum meiner Arbeit steht das Protein Piezo1, das eine wichtige Rolle in roten Blutkörperchen spielt. Ich untersuche, wie verschiedene genetische Varianten dieses Proteins mit Eigenschaften wie dem Körpergewicht von Säugetieren zusammenhängen und welche Rolle sie in der Evolution gespielt haben. Langfristig trägt diese Forschung dazu bei, Zusammenhänge zwischen genetischer Variation, Krankheiten und evolutionären Anpassungen besser zu verstehen und personalisierte Therapien zu entwickeln, beispielsweise für erbliche Blutkrankheiten.

Freiraum durch Förderung

Meine Eltern sind im künstlerischen Bereich tätig, deshalb war klar, dass sie mich im Studium nur begrenzt finanziell unterstützen können. Das Bachelor-Studium finanzierte ich mit kantonalen Stipendien, Erspartem sowie Nebenjobs als Hilfsassistent und Fahrer für einen Essenslieferdienst. Dass ich für das Master-Studium ein ETH-Sozialstipendium der Fondazione PKB erhielt, war eine sehr grosse Erleichterung. Ich kann mich voll auf meine Master-Arbeit konzentrieren, weil mir das Stipendium finanzielle Sicherheit gibt.

Mit Blick auf die Zukunft möchte ich gerne ein Doktorat absolvieren. Neben der evolutionären Entwicklungsbiologie interessiere ich mich auch für die Verbindung von Wissenschaft und Politik. Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig – und herausfordernd – es ist, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich und differenziert zu vermitteln. Ich finde es erschreckend, wie teilweise gezielt Zweifel an wissenschaftlichen Erkenntnissen gesät werden, etwa beim Klimawandel oder bei gesundheitlichen Themen. In sozialen Medien können Fehlinformationen noch schneller verbreitet werden; ein Grund mehr, diese nachvollziehbar einzuordnen.

Bei der Forschung für meine Master-Arbeit merke ich oft, wie anspruchsvoll es sein kann, wissenschaftliche Publikationen vollständig zu verstehen. Deshalb reizt es mich, dazu beizutragen, Forschung besser zugänglich zu machen und in die Gesellschaft zu tragen – sei es in der Wissenschaft selbst oder im Austausch mit der Öffentlichkeit.»

Rund 130 junge Menschen wurden im akademischen Jahr 2025/26 mit einem Stipendium unterstützt.

Mit Beträgen zwischen 600 Franken und 20000 Franken pro Jahr