Bildung als Fundament für die Zukunft entwickeln
Irène und Gerd Burla schauen auf ein buntes Leben zurück, das aber auch von einem Schicksalsschlag geprägt wurde. Die ETH fördern sie, weil die Hochschule sowohl für Gerd Burla als auch für ihre gemeinsame Tochter eine bedeutsame Station war.
Herr Burla, Sie haben als Architekt zahlreiche aussergewöhnliche Projekte verantwortet – wo könnte man Ihrem Werk begegnet sein?
GERD BURLA – Von 1977 bis 2007 prägte ich in Zusammenarbeit mit der Agentur Interbrand Zintzmeyer & Lux die architektonische Erscheinung der Marke BMW, weltweit. Das technologisch anspruchsvollste meiner Projekte war der markenspezifische Innenausbau aller Flugzeuge von Lufthansa und Thai Airways. Als faszinierendstes und forderndstes Projekt erlebte ich die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Lichtkünstler James Turrell bei der Planung seines Roden-Crater-Projekts, eines erloschenen Vulkans bei Flagstaff in Arizona. Seit den 70er-Jahren verfolgt er hier sein Lebenswerk, Vorgänge am Himmel im Krater in Licht umzuwandeln, dieses und seine Farben fühlbar zu machen. Dabei habe ich ihn über mehrere Jahre als Architekt begleitet. Meine architektonischen Pläne habe ich dem Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) an der ETH übergeben. Modeaffine Menschen dürften sich zudem an die von mir entworfene Boutique Hannes B. in Zürich erinnern, heute ausgestellt im Sammlungszentrum des Landesmuseums.
«Studieren konnte ich nur dank eines Stipendiums, und an der ETH fand ich die Professoren, die mich förderten.»
Sie verbindet mehr als Ihr Studium mit der ETH.
GERD BURLA – Ich interessierte mich früh dafür, am Polyball mitzuwirken. Im zweiten Studienjahr wurde ich Dekorationschef und in die KOSTA (Kommission für studentische Anlässe) gewählt, die den Ball organisiert. Ich habe diesen Grossevent jahrelang mitgeprägt, zwischenzeitlich als Präsident und später als Berater. Als ich verheiratet war, wurde der Polyball ein Familienengagement, auch Irène war involviert. Einmal hat sich beim Aufbau sogar unsere damals zwölfjährige Tochter an einem Drahtseil quer durch die Halle des Hauptgebäudes ziehen lassen.
Auch an Ihrer Hochzeit wollten Sie beide hoch hinaus, was Sie von Blick bis New York Times in die Schlagzeilen brachte.
IRÈNE BURLA – Es begann als Scherz. Gerd sagte: Wir heiraten in New York. Ich entgegnete: im Helikopter. Am Hochzeitstag erreichte uns ein Telefonat ins Hotel, ob die Presse uns begleiten dürfe. Nach einem Live-Interview mit CBS Radio filmte der Fernsehsender WPIX unsere Trauung über der Park Avenue aus einem zweiten Helikopter. Der Beitrag wurde in den abendlichen Hauptnachrichten ausgestrahlt.
1984 ist Ihre Tochter Joan-Bryce geboren. Wie verlief ihr Weg?
IRÈNE BURLA – Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zu Pferden. Ab sieben nahm sie Reitstunden, seit dem Gymi startete sie an Springturnieren. Sie studierte Agrarwissenschaften an der ETH und doktorierte zu Haltung und Verhalten von Pferden. Zuletzt war sie als Postdoc bei Agroscope in Tänikon. Noch vor ihrer Master-Arbeit erhielt sie eine Krebsdiagnose und musste schwierige Phasen durchstehen. Dennoch war sie mit ihrer Forschung sehr erfolgreich, für ihre Doktorarbeit gewann sie einen Preis der Internationalen Gesellschaft für Nutztierhaltung. Darin untersuchte sie Pferde in Offenstallhaltung und ihre Interaktionen in Abhängigkeit von Liegeflächen und Futtermanagement. Ihre Erkenntnisse sind auch in die weitere Bearbeitung der Bundesgesetzgebung eingeflossen.
Ihre Tochter ist früh verstorben. Ist ihre Verbindung zur ETH der Grund, weshalb Sie die ETH mit einem Namensfonds und dereinst aus Ihrem Nachlass philanthropisch unterstützen?
IRÈNE BURLA – Unsere Tochter wurde an der ETH enorm gefördert. Auf ihre Erkrankung wurde stets Rücksicht genommen und ihre aufwändige Forschung unterstützt. So konnte sich ihre Leidenschaft optimal entfalten, wofür wir der ETH auf immer dankbar sind.
Wollen Sie, Herr Burla, Ihrer Alma Mater auch etwas zurückgeben?
GERD BURLA – Durchaus, und Bildung als Fundament für die Zukunft entwickeln. Ich konnte nur Karriere machen, weil es auf jeder Stufe Personen gab, die mich unterstützten. Meine Eltern waren einfache Leute. Studieren konnte ich nur dank eines Stipendiums, und an der ETH fand ich die Professoren, die mich förderten.
Sie reisen viel. Wohin geht Ihre nächste Reise?
IRÈNE BURLA – Seit Gerds Arbeit für den Roden Crater reisen wir regelmässig in den Südwesten der USA. Wir lieben es, dort «on the road» zu sein. Farbenprächtige Felsformationen, Kakteen, golden wehendes Gras und schwarze Nächte, in denen man die Milchstrasse sieht – das ist einmalig.