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3 Fragen an …

Lea Beusch über Extremwetter, Exzellenz und Erfolg

von Janine Braun
16. Oktober 2026
ETH Zürich Foundation, Lea Beusch über Extremwetter, Exzellenz und Erfolg
Auch nach Jahren in der Wetterforschung staunt Lea Beusch immer wieder über die Schönheit des Himmels. Besonders faszinieren sie Momente, in denen Wolken, Sonnenstrahlen und Regentropfen zusammenspielen.
© ETH Foundation / Hannes Heinzer

Ob Starkregen, Hitzewellen oder Sturm: Extremwetterereignisse frühzeitig zu erkennen, wird immer wichtiger. Die ehemalige Exzellenz-Stipendiatin Lea Beusch entwickelt Algorithmen, die grosse Wetterdatenmengen systematisch analysieren. Damit unterstützt sie die Prognostikerinnen und Prognostiker von MeteoSchweiz dabei, gefährliche Wetterlagen besser einzuschätzen und rechtzeitig vor ihnen zu warnen.

Du entwickelst Algorithmen, die Wetterextreme automatisch erkennen. Was kann ein Algorithmus heute besser als ein Mensch und was nicht?

LEA BEUSCH – Moderne Wettermodelle erzeugen riesige Datenmengen. Algorithmen können diese viel schneller und systematischer analysieren als wir Menschen. Sie erkennen Muster, weisen auf mögliche Extremwetterlagen hin und berücksichtigen dabei die unterschiedlichen Warnschwellen in den verschiedenen Regionen der Schweiz. So entstehen Karten mit Eintrittswahrscheinlichkeiten für Warnlevels und konkrete Vorschläge, die unsere Prognostikerinnen und Prognostiker bei ihren Warnentscheiden unterstützen. Die Erfahrung von Menschen können Algorithmen dabei jedoch nicht ersetzen. Unsere Expertinnen und Experten beurteilen, wie verlässlich ein Wettermodell in einer bestimmten Situation ist und wann zusätzliche Informationen notwendig sind. Besonders gefragt ist ihr Fachwissen auch im Austausch mit Behörden. Gerade wenn sich eine gefährliche Wetterlage anbahnt, braucht es fachliche Einordnung, Erfahrung und persönlichen Dialog.

ETH Zürich Foundation, Lea Beusch über Extremwetter, Exzellenz und Erfolg
Ein Blick auf den Bildschirm bei warnrelevantem Regenwetter: angezeigt werden erwartete Niederschlagsmengen und die Wahrscheinlichkeit der einzelnen Warnstufen. Solche Produkte entwickelt Lea Beusch. Das Beispiel zeigt einen vergangenen Fall, der für Schulungen und Algorithmustests genutzt wird.
© MeteoSchweiz

Während deines Masterstudiums wurdest du mit einem Exzellenz-Stipendium gefördert. Worin siehst du die grösste Wirkung dieses Stipendiums – für dich persönlich und mit Blick auf die Gesellschaft?

Für mich war das Stipendium ein Türöffner in die Forschung. Es deckte meine Lebenshaltungskosten, so dass ich mich voll auf das Studium und meine Forschungsinteressen konzentrieren konnte. So konnte ich meine Bachelorarbeit über ein Föhnereignis in den Anden während meines Masters gemeinsam mit meiner Mentorin und meinen Mentoren zu einer wissenschaftlichen Publikation weiterentwickeln. Gesellschaftlich sehe ich den grössten Nutzen im Wissensgewinn. Das von uns untersuchte Föhnsystem war damals kaum erforscht. Die frühe Forschungserfahrung half mir ausserdem später im Doktorat, rasch eigene Beiträge zu leisten. Das Herzstück meiner Dissertation war die Entwicklung eines statistischen Klimaemulators, mit dem sich die Auswirkungen verschiedener Emissionsszenarien auf lokale Temperaturen abschätzen lassen. Aufbauend auf diesen Resultaten konnte meine Professorin später externe Forschungsgelder einwerben und das Feld weiterentwickeln.

Wenn du auf deinen bisherigen Weg zurückblickst: Worauf bist du besonders stolz?

Ein besonderer Höhepunkt war die Auszeichnung meiner Dissertation mit der ETH-Medaille und dem Atmospheric Chemistry and Physics (ACP) Award. Noch mehr freut mich jedoch, dass ich heute bei MeteoSchweiz an Produkten arbeite, die in der Praxis direkt zum Einsatz kommen. Mich hat es schon immer motiviert, wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und gleichzeitig einen konkreten Nutzen zu schaffen. Auch sehr stolz bin ich auf Entscheidungen, die in keinem Lebenslauf stehen: Mein Mann und ich teilen uns Familien-, Erwerbs- und Hausarbeit bewusst gleichberechtigt auf. Nach der Geburt unserer Tochter haben wir nacheinander gleich viel unbezahlten Urlaub genommen und anschliessend unsere Arbeitspensen auf denselben Umfang reduziert. Je mehr Paare ein solches Modell vorleben, desto eher erkennen andere, dass es machbar und bereichernd ist.

ETH Zürich Foundation, Lea Beusch über Extremwetter, Exzellenz und Erfolg
Lea Beusch arbeitet hauptsächlich am MeteoSchweiz-Standort in Locarno-Monti. Für Projekte und den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen ist sie regelmässig auch in Zürich anzutreffen.
© ETH Foundation / Hannes Heinzer

Über «3 Fragen an …»

In dieser Reihe kommen Menschen aus der ETH-Community zu Wort: Forschende, Jungunternehmerinnen, Geförderte, Alumni und Partner. Im Fokus stehen persönliche Wege, aktuelle Projekte und die Frage, wie Förderung und Engagement Wirkung für unsere Gesellschaft entfalten.