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Stiftungsrat

Was bewirkt Philanthropie an der ETH Zürich, Daniela Bosshardt?

von Janine Braun
24. März 2026
ETH Zürich Foundation, Was bewirkt Philanthropie an der ETH Zürich, Daniela Bosshardt?
Daniela Bosshardt-Hengartner studierte selbst Pharmazie an der ETH Zürich. Nach ihrer Tätigkeit als Apothekerin wechselte sie ins Finanzwesen und arbeitete später in der Organisationsberatung, bevor sie verschiedene Verwaltungsratsmandate übernahm.
© zVg
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Was bewirkt Philanthropie an der ETH Zürich, Daniela Bosshardt?

von Janine Braun
24. März 2026

Wer in Bildung und Forschung investiert, denkt nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Daniela Bosshardt engagiert sich im Stiftungsrat der ETH Foundation, um genau diese langfristige Wirkung zu stärken – mit strategischer Weitsicht und tiefer Verbundenheit zur ETH.

Was bedeutet Philanthropie im Kontext der ETH konkret?

DANIELA BOSSHARDT – Philanthropie eröffnet der ETH Zürich Handlungsspielräume dort, wo staatliche Finanzierung an Grenzen stösst. Sie ist unbürokratisch und erlaubt es, mutige Ideen zu fördern, auch wenn deren Erfolg noch nicht absehbar ist. Speziell für die Grundlagenforschung ist diese Freiheit entscheidend, denn sie betritt wissenschaftliches Neuland und legt das Fundament für künftige Innovationen. Darüber hinaus beflügelt philanthropisches Engagement herausragende Talente und gibt ihnen den Freiraum, ihr Potenzial voll zu entfalten. Das ist umso bedeutender, weil die Anforderungen an die ETH stetig wachsen.

Inwiefern?

Die Studierendenzahlen steigen, gesellschaftliche Herausforderungen nehmen zu – von Klimafragen über Digitalisierung bis zu Energie und künstlicher Intelligenz. Die staatlichen Mittel für die ETH wachsen jedoch nicht im selben Ausmass.

Wird die gesellschaftliche Wirkung der ETH Zürich Ihrer Ansicht nach unterschätzt?

Die ETH geniesst eine hohe Anerkennung, nicht zuletzt dank ihrer Spitzenplätze in internationalen Rankings. Doch Rankings bilden Wirkung nur teilweise ab. Ich habe den Eindruck, dass die langfristige Wirkung der ETH für die Gesellschaft manchmal in Vergessenheit gerät. Bildungsausgaben werden als Kosten wahrgenommen, dabei sind sie viel mehr Investitionen: in Innovation, in die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte und in die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz. Ihre Wirkung entfaltet sich über Jahre, manchmal über Jahrzehnte später. Fehlt die Finanzierung heute, zeigen sich die negativen Auswirkungen ebenfalls erst später, dafür umso deutlicher.

Ein kurzer Blick auf Ihren persönlichen Hintergrund: Die ETH begleitet Sie bereits seit Ihrer Kindheit.

Mein Vater, Hans Hengartner, ist emeritierter ETH-Professor für Immunologie. Meine ersten Berührungspunkte mit der Hochschule waren riesige Mappen voller Berichte und Gesuche, die er abends zu Hause studierte, und Diaprojektoren mit Bildern aus der Forschung. Für mich stand die ETH schon früh für Konzentration, Neugier und sehr viel Arbeit. Aber ebenso für inspirierende, passionierte Menschen. Später habe ich selbst Pharmazie an der ETH Zürich studiert und erfahren, wie eng Anstrengung und Erfolg miteinander verbunden sind. Im heutigen Studierendencafé bQm habe ich nicht nur unzählige Stunden verbracht, sondern auch meinen Mann kennengelernt.

«Jeder gespendete Franken fliesst vollumfänglich in Projekte und Förderprogramme der ETH.»

Daniela Bosshardt

Sie sind Präsidentin des Anlageausschusses im Stiftungsrat der ETH Foundation. Worin besteht Ihre Aufgabe?

Ich trage Mitverantwortung dafür, dass gespendete Gelder sicher, verantwortungsvoll und langfristig angelegt werden. Dabei achten wir nicht nur auf Performance und Risikomanagement, sondern auch auf ethische Kriterien. Unser Anspruch ist klar: Der operative Betrieb der ETH Foundation soll vollständig aus den Anlageerträgen finanziert werden, damit jeder gespendete Franken vollumfänglich seinem Zweck an der ETH Zürich zugutekommt – also direkt in Projekte und Förderprogramme an der Hochschule fliesst. Ich empfinde diese Aufgabe als grosse Ehre, denn die ETH hat mir viel gegeben. Als Gönnerin und Stiftungsrätin kann ich etwas zurückgeben und gleichzeitig dazu beitragen, dass Forschung und Bildung langfristig gestärkt werden.

Wird die Wirkung von Philanthropie für Sie auch persönlich greifbar?

Sehr direkt sogar. Besonders eindrücklich sind die Begegnungen mit geförderten Studierenden, Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern sowie Forschenden. Etwa an Veranstaltungen der ETH Foundation, wo sichtbar wird, wie aus einer Idee ein Projekt entsteht, aus einer Vision eine konkrete Anwendung – das ist mind-blowing. Man weiss theoretisch, dass Philanthropie wirkt. Sie so unmittelbar zu erleben, ist nochmals etwas anderes. Das ist Wirkung zum Anfassen.

In Ihrer bisherigen Laufbahn betonen Sie immer wieder Bescheidenheit als Wert. Wie passt das zur Spitzenuniversität ETH?

Bescheidenheit bedeutet für mich nicht Zurückhaltung, sondern Demut. In der Wissenschaft ist diese Haltung essenziell: Man hinterfragt laufend, was man zu wissen glaubt. Erkenntnisse sind nie endgültig, sondern Ausgangspunkt für neue Fragen. Gerade diese Haltung macht Exzellenz möglich. Eine Spitzenuniversität bleibt nur dann an der Spitze, wenn sie offen bleibt, selbstkritisch denkt und Verantwortung übernimmt.

Zum Schluss: Was gibt Ihnen Zuversicht mit Blick auf die Zukunft?

Die Menschen und die Ernsthaftigkeit, mit der an der ETH geforscht und gelehrt wird. Bildung und Wissenschaft sind unsere stärksten Ressourcen. Oder, um Nelson Mandela zu zitieren: ‘Education is the most powerful weapon which you can use to change the world’.