Starke Netzwerke

8. September 2022

Adina Rom und ihr Team vereinen mit «ETH for Development» die Kräfte der ETH, um zu einer nachhaltigen globalen Entwicklung beizutragen. Beispielsweise durch den Master-Studiengang für hochqualifizierte zukünftige Führungskräfte in Ghana.

 

 

 

 

ETH Zürich Foundation, Starke Netzwerke
Adina Rom leitet «ETH for Development» (ETH4D) und arbeitet als Entwicklungsökonomin am Center for Development and Cooperation (NADEL) an der ETH Zürich.
© ETH Foundation / Daniel Winkler
Adina Rom leitet «ETH for Development» (ETH4D) und arbeitet als Entwicklungsökonomin am Center for Development and Cooperation (NADEL) an der ETH Zürich.
© ETH Foundation / Daniel Winkler

Seit Januar 2022 bilden ETH-Dozierende mit Kollegen der Ashesi University in Ghana afrikanische Studierende in Mechatronik aus. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

ADINA ROM – Ganz am Anfang stand die Idee von Edoardo Mazza, Professor am Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik der ETH, einen neuen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang mit Partnern auf dem afrikanischen Kontinent zu etablieren. Mit der damaligen Rektorin Sarah Springman sowie Isabel Günther, Professorin für Entwicklungsökonomie, und mit Partnern aus der Industrie entwickelten wir die Idee weiter. Gemeinsam besuchten wir 2019 verschiedene afrikanische Universitäten und stellten die Grundidee vor. Mit der Ashesi University in Ghana fanden wir den passenden Partner: Die visionäre und innovative Universität bietet einen hohen Ausbildungsstandard, und viele unserer Industriepartner sind in Ghana vertreten. Umsetzen konnten wir das Programm dank der grosszügigen Unterstützung von Donatorinnen und Donatoren wie dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Adrian Weiss, der Arthur Waser Stiftung oder der Louis Dreyfus Foundation.

Wie profitieren die beiden Seiten von dieser Kooperation?

Afrika ist ein junger Kontinent mit hohem wirtschaftlichem Wachstum. Personen am Karriereanfang müssen in entstehenden Industriesektoren führen können. Neben technischem Know-how sind auch Kenntnisse im Bereich Nachhaltigkeit, interdisziplinäres Arbeiten und Ethical Leadership besonders gefragt. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, braucht es einen Ausbau der Bildungsinstitutionen, und wir können diese Entwicklung mit unseren Kenntnissen unterstützen und mitgestalten. So kann die Ashesi University dank der Kooperation erstmals Ingenieure auf Master-Stufe ausbilden. Gleichzeitig erhalten ETH-Dozierende neue Impulse im Austausch mit den afrikanischen Studierenden und Dozierenden, und unsere Industriepartner profitieren von gut ausgebildeten Talenten.

Wie stellen Sie sicher, dass die Wertschöpfung auf dem afrikanischen Kontinent bleibt?

Für einen Grossteil der Absolventinnen und Absolventen werden Jobangebote unserer Industriepartner bereitstehen. Zudem wurden beim Bewerbungsverfahren Studierende ausgewählt, die hoch motiviert sind, zur Entwicklung ihrer Heimatländer beizutragen.

Auf welchen weiteren Wegen fördert ETH4D nachhaltige Entwicklung?

Einerseits legen wir den Fokus auf Innovation und Forschung zur Armutsbekämpfung. Andererseits setzen wir auf Bildungsarbeit für zukünftige Führungskräfte mit einer globalen Perspektive, wie die Partnerschaft mit Ashesi oder die Summer School mit KNUST, einer weiteren ghanaischen Universität. Aktuell planen wir zwei neue Projekte: Beim «Doctoral Fellowship for Global Impact» geht es um Stipendien für Talente aus Ländern mit niedrigerem Einkommen, um an der ETH Lösungen für globale Herausforderungen zu entwickeln. Mit dem «Social Entrepreneurship Fellowship» sollen die Forschungsergebnisse umgesetzt und skaliert werden. Wir stehen allen Bereichen der ETH offen und wollen gemeinsam Netzwerke innerhalb der ETH und international ausweiten für eine inklusivere, nachhaltigere Welt. Zentral sind dabei Partnerschaften mit Universitäten rund um den Globus und die Verbindung von Forschenden mit Entscheidungsträgern aus der Politik, der Industrie und der Gesellschaft. Rund 40 ETH-Professuren aus unterschiedlichen Disziplinen sind bei ETH4D aktiv.

Warum braucht es die ETH für eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit?

Um etwas zu verändern, braucht es soziale und technologische Innovation, und dafür gibt es kaum einen besseren Ort als die ETH. Das zeigen Produkte wie das kostengünstige und robuste Transportbeatmungsgerät «breathe», das für den Einsatz in Ländern mit niedrigerem Einkommen entwickelt wurde, oder die Initiative «Engineering for Humanitarian Action» gemeinsam mit der EPFL und dem IKRK. Sehr wichtig ist uns auch, diese Themen durch Vorlesungen oder Events für Studierende an der ETH zu verankern; wenn Absolventinnen und Absolventen ein Verständnis für gerechte globale Entwicklung haben, können sie viel bewegen.

Der Einsatz für Entwicklung ist der rote Faden in Ihrem Werdegang. Was motiviert Sie?

Schon als Kind stellte ich mir viele Fragen zum Thema Gerechtigkeit. Ungleichheiten zu verstehen und Wege zu finden, um diese zu mindern, ist eine grosse Motivation für mich. Ich bin der Meinung, dass man seine eigenen Privilegien nutzen kann und soll, um Chancen für andere zu schaffen und die Welt positiv zu verändern.

ETH Zürich Foundation, Starke Netzwerke
Marriette Mertens, Co-Programm-Managerin der Kooperation mit der Ashesi University, tauscht sich regelmässig in Zürich und in Accra mit allen Beteiligten aus.
© ETH Foundation / Daniel Winkler

Zur Person

Adina Rom ist Mitgründerin des GAIN-Netzwerks, welches afrikanische Studierende in ihrem akademischen Werdegang unterstützt. Mit ihrem Spin-off Policy Analytics hilft sie Organisationen, ihre soziale und ökologische Wirkung zu messen. Sie studierte Public Policy an der Harvard Kennedy School und promovierte an der ETH am Lehrstuhl für Entwicklungsökonomie. Neben ehrenamtlichen Engagements verbringt sie ihre Freizeit mit Wandern, im Yogastudio oder beim Schwimmen in der Limmat.

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